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Orbit360 schlägt Scheibenbremse – ein toller Graveltag auf dem MTB-Tandem

Bei unserem ersten Orbit hatten Tobi und ich gleich das ganze Programm: Sonne, Regen, Kälte, schlammige und tiefe Verhältnisse, sowie eine Scheibenbremse, die bei Kilometer 150 kapitulieren musste. Dadurch und den schlechten Wetterverhältnissen geschuldet mussten wir den Orbit360 am Ende abkürzen und auf möglichst flachen Straßen zum Ausgangspunkt zurückfahren. Dennoch ein tolles und unvergessliches Event!

Tobi und Seb auf Tour

Als am Dienstag um 4 Uhr der Wecker klingelte, ahnten wir noch nicht, was heute alles auf uns zukommen würde. Um 5 Uhr im Auto, um 6:30 Uhr auf der Strecke, lagen nun 203 km und 4600 Höhenmeter bei unserem ersten Orbit360 auf dem MBT-Tandem vor uns.

Als Startpunkt wählten wir Fürth im Odenwald und nicht den vorgeschlagenen Start in Heidelberg. Das brachte uns in die komfortable Lage mehrere Notausstiege zu haben, sollten wir unterwegs bemerken, dass wir vorzeitig den Orbit abbrechen müssen. So hatten wir die Option einmal in Eberbach durchs Neckartal direkt nach Hause fahren zu können, eine weitere Ausstiegsmöglichkeit bot sich uns dann nach der Abfahrt vom Königsstuhl. Bei beiden Möglichkeiten wären wir relativ rasch zu Hause in Ladenburg gewesen.

Seb mit Tandem durchs Absperrband

Es gibt wahrscheinlich nur sehr wenige, die bis heute einen Orbit360 auf einem Tandem zurückgelegt haben. Sicherlich noch weniger, die bei solch schlechten Streckenverhältnissen gestartet sind. Ist der Stoker blind, könnte man fast dazu neigen, wie bei uns der Fall, von einem Einzelfall auszugehen. Und so merkten wir schnell, dass die Streckenverhältnisse für das MBT-Tandem mit einem Gesamtgewicht von 175 kg alles andere als ideal waren. Der Starkregen vom Vorabend in Kombination mit den aufgezogenen Reifen machte das Geläuf zusätzlich sehr rutschig und tief.
Der Orbit „Eleven Earths“ sollte uns über die 11 höchsten Berge des Odenwalds führen, darunter den Katzenbuckel, den Weißen Stein, den Heiligenberg und den Königsstuhl. Mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 15,1 km/h fuhren wir über Asphalt und Waldwegen. Regelmäßig legten wir kurze Pausen ein, versorgten uns bei Bäckereien, aßen mittags in einem Imbiss und versorgten uns kurz vor Ladenschluss in einem Rewe für die anstehende Abend-, bzw. Nachtfahrt.

Mittagspause

Leider wurde gegen Abend das Wetter auch merklich schlechter. Es begann immer wieder zu regnen. Machte uns die ziemlich kühlen Temperaturen von durchschnittlich 11 Grad Mitte August bereits tagsüber zu schaffen, wurde es nachts im Zusammenhang mit dem Regen eiskalt.

Tandem in der Morgensonne

Als wir bereits 16 Stunden unterwegs waren, völlig durchnässt, erschöpft und durchgefroren, bemerkten wir auf der Abfahrt vom Königsstuhl, dass unsere Bremsen quasi nicht mehr vorhanden waren. In der Heidelberger Altstadt angekommen, mussten wir um 23:30 Uhr feststellen, dass unsere beiden Bremsblöcke sich völlig verabschiedet haben. Offensichtlich bremsten wir schon länger Metall auf Metall. Eines war hier schon sicher: Neben neuen Bremsblöcken, musste nach dem Orbit auch neue Bremsscheiben her.

Nachts in Heidelberg mit kaputter Scheibenbremse

Da sich auch die Beleuchtungssituation deutlich problematischer als angenommen herausstellte, gerade im Wald auf losem Untergrund war die Sicht höchst problematisch, beschlossen wir aufgrund der Bremsproblematik und der nicht ungefährlichen Lichtproblemen den Orbit etwas abzukürzen und möglichst flach auf Straßen den Orbit zu beenden und zu unserem Startpunkt zurückzufahren. Dadurch wurde die Tour rund 15 km kürzer, auch rund 1300 Höhenmeter haben wir dadurch eingespart. Am Mittwoch, gegen 2 Uhr nachts kamen wir dann völlig erschöpft wieder an unserem Auto an und machten uns direkt auf dem Heimweg.

Fazit

Insgesamt war es für uns ein toller Tag auf dem Tandem, welcher bei gutem Wetter sicherlich noch deutlich schöner ausgefallen wäre. Dennoch sind wir uns einig, dass wir im kommenden Jahr mehr als nur einen Orbit in Angriff nehmen werden. Im eingebetteten Video erhaltet ihr noch viele weitere Eindrücke in Bild und Ton.

Nachdem nun unser erster Orbit Geschichte ist und wir noch einige Male darüber sprachen, haben sich einige Erkenntnisse herauskristallisiert:

  • Wetter: Möchte man einen Orbit360auf einem Tandem erfolgreich bestreiten, müssen die Strecken weitestgehend trocken sein. Gerade auf sehr technisch anspruchsvollen Orbits mit vielen Höhenmetern, worunter der Eleven Earth mit knapp 4600 Höhenmeter sicherlich zählt, ist das eigentlich eine zwingende Voraussetzung.
  • Reifen: Unser MTB-Reifen von Schwalbe (2,1), den wir für den Orbit aufgezogen hatten, besaß einen eindeutig zu hohen Slickanteil. Für einen Orbit, gerade bei den oben genannten Verhältnissen, hätten wir einen aggressiven Stollenreifen in 2,2 oder 2,4 benötigt.
  • Bremsblöcke: Vorher nicht auf dem Schirm, sind ab sofort immer ein paar Bremsblöcke mit in der Werkzeugtasche dabei. Wir beide konnten uns nicht vorstellen, dass quasi neue Bremsblöcke (auch bei sehr schlechten Verhältnissen an einem MTB-Tandem) nach 150 km tatsächlich völlig in die Knie gehen können.
  • Licht: Für den nächsten Orbit benötigen wir unbedingt eine deutlich bessere Leuchte fürs Fahrrad.

Scouting

Abschließend möchte ich noch ein paar Worte zum Scouting des Orbits „Eleven Earths“ 2021 verlieren. Grundsätzlich war der Orbit über weite Strecken wirklich gut zusammengestellt, selbst auf dem MTB-Tandem waren die aller meisten Abschnitte gut fahrbar, nur in sehr wenigen Passagen mussten wir Absteigen und schieben.
Was uns allerdings wirklich etwas verwundert hat: Auf der gesamten Strecke begegneten uns doch sehr, sehr wenig Brunnen, oftmals hätte man bei einer minimalen Streckenverlagerung an mehr Trinkwassermöglichkeiten vorbeiführen können. Manchmal kam man auch durch Ortschaften durch, bei der man auf der Originalstrecke an keinem Supermarkt, Tankstelle oder Bäckerei vorbeigekommen wäre, diese lagen oft einfach in der Parallelstraße.
Gerade für nicht Ortsansässige wären sicherlich ein paar mehr Highlights schön gewesen. Oftmals fuhr man nur einen Parallelweg an doch sehr markanten Gebäuden, wie z. B. dem Aussichtsturm und der Skisprungschanze auf dem Katzenbuckel oder der Thingstätte auf dem Heiligenberg vorbei, die man so gar nicht mitbekommt, schade! Wir haben ab und zu dann kleine Abstecher gemacht. Manchmal hatte man tatsächlich ein bisschen das Gefühl, es würde primär nur darum gehen über die 11 höchsten Erhebungen des Odenwalds geführt zu werden.

Skisprungschanze auf dem Katzenbuckel 1
Skisprungschanze auf dem Katzenbuckel 2

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